Glanzlicht

Die Story klang verwegen. Eine sozial engagierte Fotografin, die einen ruhmsüchtigen Architekten erpresst – nun ja, das mag noch angehen. Dass sich der skrupellose Häuslebauer dann aber auch noch prompt in die junge Dame verliebt, erscheint schon ein wenig abwegiger. Und als dann auch noch die Russenmafia auftauchte, finster von unterirdischen Geheimgängen schwadronierte und des Architekten Gattin großzügig mit Koks versorgte, da war der Weg zum wilden Klischee-Konstrukt nicht mehr weit.
Um so erstaunter durfte der Zuschauer bald jedoch registrieren, dass Regisseur Diethard Klante und seine Akteure aus dem Hanebüchlein der drei Autoren eine richtig flotte Geschichte gestrickt hatten.
Sebastian Koch (Hollister) und Claudia Michelsen (Michelle) spielten das hormonell entrückte Täter-Opfer-Paar ausgesprochen charmant; Diethard Klante bewies Gespür für stimmige Bilder und setzte dort aussagekräftige Schnitte, wo andere Regisseure ihre Darsteller hemmungslos brabbeln lassen.
Und so erwies sich „Hollister“ nicht – wie man leicht hätte vermuten können – als lapidare TV-Dutzendware. Vielmehr präsentierte das ZDF ein kleines Fernseh-Highlight – und wer sich danach noch das „auslandsjournal“ angeschaut hat, der wird den Öffentlich- Rechtlichen für ihre Fortexistenz mal wieder richtig dankbar gewesen sein.


Kölner Anzeiger

Schön skurril

Aschenputtel ist auch nicht mehr das, was es einmal gewesen ist. Aschenputtel hat sich emanzipiert, hat keinen Bock mehr darauf, sich in der Armut einzurichten und darauf zu warten, dass ein schöner Märchenprinz es erlöst. Aschenputtel heißt mittlerweile Michelle (Claudia Michelsen), ist Fotografin und finanziell bedürftig, aber selbstbewusst und - vor allem raffiniert. Und Aschenputtel ist zornig auf ihren Vermieter. Den, einen Stararcchitekten, will sie mit gefälschten Fotografien erpressen.
Und hier hört das Märchen endgültig auf, beginnt die schwarze Komödie. Michelle verstrickt sich nämlich im Großstadtdschungel zwischen Drogensucht und Drogengeschäft, Russenmafia und Hektik und verliebt sich zudem auch in das Objekt ihres Zornes (Sebastian Koch), in den Häuslebauer, der nun eben doch kein mieser Typ, stattdessen wunderhübsch ist und damit einem Märchenprinzen sehr nahekommt. Während sonst eine solche Stoffhuberei häufig in einer unübersehbaren Klamotte versickert, entsteht hier (Regie: Diethard Klante) doch eine richtig skurrile Geschichte mit melancholischen, überdrehten und wunderlichen Momenten, eben eine richtige Komödie ...


Süddeutsche Zeitung