Durchdachter Krimi
Eigentlich könnten sie ein schönes Paar bilden, die Gerichtsmedizinerin und alleinerziehende Mutter Ruth Jacoby und Kommissar Harry Voss, die sich zunächst eher wie Hund und Katze zueinander verhalten haben. Aber wie es heißt, werden die von Barbara Rudnik und Michael Mendl dargestellten Figuren nicht in Serie gehen. Schade! Aber vielleicht sollte man wirklich aufhören, wenn es am schönsten ist. Und dieser und erste einzige Fall der Pathologin zählt zu den besseren Fernsehkrimis.
Der gewaltsame Tod von zwei zuckerkranken Frauen bringt Ruth Jacoby auf die Spur eines Pharmaskandals, eine Spur, die eher widerwillig auch der ruppige Kommissar aufnimmt. Dann allerdings hat er auch mal den richtigen Riecher, als er den neuen Verehrer der schönen Ruth nicht riechen kann. Der junge sympathische Krankenhausarzt ist selbst in den Skandal verwickelt, bei dem es um die Erprobung eines neuen Insulinmedikaments am unwissenden lebenden Objekt geht.
Man kann nur hoffen, dass es keine Ähnlichkeit gibt mit den Praktiken real existierender Pharmakonzerne. Ute Engel und Regisseur Bodo Fürneisen haben einfach einen gut konstruierten, durchdachten Krimi mit zwischenmenschlicher Note und idealer Besetzung abgeliefert. Das ist längst nicht mehr selbstverständlich im Fernsehen zur besten Sendezeit.
Badische Neueste Nachrichten
Böse Pharmakonzerne
„Gefährliche Wahrheit“ ist ein gut gemachter Krimi, der Licht und Schatten gleichmäßig verteilte und sogar ein wenig Kritik an der Pharmaindustrie anbringt. In der Tat war Barbara Rudnik eine ideale Besetzung; man nahm ihr den Doppelstress als termingehetzte Ärztin und als (meist verhinderte) Mutter ohne Weiteres ab. Zur Konturierung ihrer Rolle trug sicherlich das Zusammenspiel oder besser: das Gegeneinanderspiel mit dem Kommissar bei.
Michael Mendls Studie des Pseudomachos (mit dem weichen Herzen) war ein Kabinettstück differenzierter Charakterdarstellung. Miriam Horwitz spielte die Tochter mit mimischem Witz: zwischen leidender Schmollmanier und rebellischer Verweigerung. Mit Hans Werner Meyer als doppelgesichtigem Verbrecherarzt und Iris Junik als nervenschwacher Tatzeugin Fechner waren auch die Nebenrollen exzellent besetzt.
Bodo Fürneisen inszenierte das Drehbuch von Ute Engel einfühlsam und mit Sinn für dramatische Zuspitzung – und sorgte damit für einen Lichtblick unter den deutschen Krimiproduktionen.
Stuttgarter Zeitung