„Denn es kann jederzeit wieder passieren“ (arte/WDR)
Es gibt Filme, die wegen ihrer weitgehend konventionellen Machart Anerkennung verdienen. Wolfgang Dreslers Fernsehporträt des Theater- und Filmregisseurs Imo Moszkowicz zählt dazu. Aber nicht etwa deshalb, weil die Dokumentation althergebrachten Auffassungen Genüge leistete, sondern weil die bewährte Form der Verknüpfung von Interview, Rückblick, Gesprächen mit Freunden des Porträtierten und eingearbeiteten Archivmaterial am wenigsten ablenkte von der Person, deren Lebensweg sich als außerordentlich genug darstellte. Imo Moszkowicz, ein in Ahlen geborener Jude, sprach ohne Verbitterung von Verfolgung und Auschwitz, von deutscher Gegenwart und seiner Heimatstadt. Gerade die Sparsamkeit im Umgang mit den möglichen Formen des filmischen Ausdrucks erlaubte eine Nähe zu Imo Moszkowicz, die das Fernsehen wirklich zu einem Medium machte. Wolfgang Dreslers Selbstbeschränkung auf gelegentlich eingefärbte Szenen und ungewöhnlich geschlossene Blenden war dazu angetan, das Auge für den Zusammenhang zwischen Individuum und Geschichte zu öffnen.
Mannheimer Morgen
Zweierlei Mitmenschlichkeit
Im Porträt von Wolfgang Dresler interessierte weniger der künstlerische Werdegang des Regisseurs. Der Beitrag des WDR zeigte vielmehr in eindrücklichen Rückblenden die Leidensstationen des Imo Moszkowicz, seinen Weg von der Internierung in Essen und das glückvolle Überleben im Hof der Hölle. Der Regisseur beschränkt sich in seinem persönlichen Stationendrama auf die allerwichtigsten Schnittstellen. Da wird nichts ausgeschmückt und illustriert, die Kamera ist auf der Spurensuche. Das Panorama des Entsetzens wird vorsichtig ins Bild gerückt: das Lager, die Gleise, Auschwitz. Das Opfer rechnet nicht ab, es nähert sich mit neuerlicher Würde der eigenen Vergangenheit, die ihn über Jahrzehnte hat verstummen lassen. Insofern ist der Film von hoher moralischer Authentizität, ein Beitrag, der Durchlittenes nicht aufrechnet und ein anspruchsvolles Zeugnis der Menschlichkeit demonstriert.
Funk-Korrespondenz