Sagt nicht, es kann nie wieder passieren
Ahlen in Westfalen, 1936. Mitten im Rosenmontagszug ein antijüdischer Hetzwagen mit übelsten Juden-Karikaturen, die Schubkarren voll Gold vor sich herschieben. Darüber steht: "Die Juden tragen das Gold aus dem Land!" Die Bevölkerung grölt und johlt. "Wo ist eigentlich das Gold bei uns?", fragt sich der elf-jährige Imo Moszkowicz am Straßenrand. Sein Vater gehört zu den ärmsten Juden der Stadt, ein Schuster mit sieben Kindern, der 1918 als polnischer Kriegsgefangener nach Ahlen kam.
Die sieben Kinder der Moszkowiczs werden immer wieder Opfer antisemitischer Ausschreitungen. "Das Degradieren und Entwürdigen begann schon früh. 'Saujude' ging jedem leicht von den Lippen. "
"Warum hassten sie uns eigentlich?", fragt sich Imo Moszkowicz bis heute: "Diese hundsarme Familie, die niemandem etwas zuleide getan hatte, außer dass sie existierte". Trotz aller Demütigungen gibt es einige Bürger, die den Juden helfen. Therese, eine einfache Bergarbeiterfrau, unterstützt die Familie, wo sie kann. "Sie brachte uns Lebensmittel, sie hat uns am Leben gehalten. Sogar die Gestapo wusste das. Jede Art von Freundschaft und direkter Zuneigung war für uns wie ein Lebenselexier. "
Anfang 1938 entschließt sich Vater Moszkowicz, die Familie aus Deutschland herauszubringen. Nach unendlichen bürokratischen Schikanen erhält er eine Ausreisegenehmigung nach Argentinien. Von dort aus versucht er den Nachzug seiner Familie zu organisieren. Mutter Moszkowicz sitzt fast schon auf gepackten Koffern, als die "Kristallnacht" über die westfälische Kleinstadt hereinbricht.
Imo Moszkowicz (Jahrgang 1925) hat als einziger seiner Familie Verfolgungen, Vertreibung und Vernichtung überlebt. Er ist einer der wenigen, die Auschwitz und den berüchtigten "Todesmarsch" überstanden.
Nach 1945 lernt er das Regiehandwerk bei Gustaf Gründgens und wird zu einem der Pioniere des deutschen Fernsehens. Er hat Spielfilme ("Max, der Taschendieb"), über 70 Fernsehspiele und ungezählte Theaterstücke inszeniert.
aus einem Interview mit Imo Moszkowicz.