baumann3Helmut Baumann - Ich bin, was ich bin

Von 1984 bis 1999 leitete Helmut Baumann als Künstlerischer Direktor das Theater des Westens in Berlin. In dieser Zeit inszenierte er die Produktionen "Jesus Christ Superstar", "Guys and Dolls", die "Kurt Weill Revue", "Company", "La Cage aux Folles", "Chicago", "Cabaret" und die Ost-West-Story "Eins, zwei, drei" nach dem Erfolgsfilm von Billy Wilder.

Die Berliner Erstaufführung von "La Cage aux Folles" am 23. Oktober 1985 wurde zu einem triumphalen Theaterereignis. Helmut Baumann, der die männlich-weibliche Hauptrolle Albin-Zaza spielte und das Musical-Ensemble des Theater des Westens wurden mit „standing ovations“ gefeiert.

In den folgenden Jahren stand Helmut Baumann weit über 300 Mal als Zaza auf der Bühne. Gastspiele in Zürich und Hamburg waren permanent ausverkauft. Und für Helmut Baumann selbst war diese professionelle Transvestitendarstellung eine der reizvollsten Aufgaben in seiner bisherigen Laufbahn, denn hier konnte er endlich eigene Erfahrungen und persönliche Neigungen mit seinen beruflichen Fähigkeiten verbinden.

Dabei wollte Helmut Baumann, 1939 geboren, ursprünglich Architekt werden, sattelte dann aber nach ein paar Semestern um und ließ sich als Tänzer ausbilden.

Von 1962 bis 1965 war er Mitglied des Ballettensembles der Hamburgischen Staatsoper als Solotänzer. Anschließend folgten Engagements in Köln und München sowie im Ausland. Zu den bedeutendsten Choreographen, mit denen er als Tänzer arbeitete, zählten George Balanchine, Nickolas Beriosoff, Hans von Manen, John Cranko und Kurt Jooss.

1970 gründete Helmut Baumann zusammen mit Jürg Burth, Jochen Ulrich und Gray Veredon das "Tanzforum Köln", die erste moderne Tanzcompagnie Deutschlands, mit der er zahlreiche nationale und internationale Gastspielreisen unternahm. Parallel zu seiner Arbeit als Direktor des "Tanzforums Köln" begann seine Tätigkeit als Regisseur, die in den folgenden Jahren mehr und mehr an Bedeutung gewinnen sollte.

Die Zaza in "La Cage aux Folles" bezeichnete Helmut Baumann selbst als seine liebste Rolle. Jeden Abend schlüpfte er dafür in die schönsten Frauenkleider und appellierte an unsere Toleranz. Wie sieht er sich selbst als Vertreter einer Minderheit? Bedeutet ein Leben am Theater auch gleichzeitig mehr persönliche Freiheit? Ist es in dieser Atmosphäre leichter als anderswo, sich über gesellschaftliche Normen und Vorurteile hinwegzusetzen?

Der Film "Ich bin, was ich bin" beantwortet all diese Fragen und macht auf einen Künstler aufmerksam, der für die Entwicklung und Verbreitung des Musicals in Deutschland einen wichtigen Beitrag geleistet hat.